Wurzelbehandlung unter dem Mikroskop
Bei der Wurzelbehandlung unter dem Mikroskop wird das entzündete oder abgestorbene Gewebe im Inneren des Zahns unter starker Vergrößerung entfernt. Sie kommt infrage, wenn ein Zahn mit entzündetem Nerv oder einer alten Wurzelfüllung erhalten werden soll.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Wurzelbehandlung unter dem Mikroskop bedeutet
Eine Wurzelbehandlung entfernt entzündetes oder abgestorbenes Gewebe aus den feinen Kanälen im Inneren des Zahns, reinigt und desinfiziert sie und verschließt sie anschließend dicht. Unter dem Mikroskop geschieht das bei bis zu etwa 25-facher Vergrößerung und mit starker Ausleuchtung.
Die Vergrößerung hilft, versteckte oder sehr feine Wurzelkanäle zu finden, abgebrochene Instrumente oder alte Füllmaterialien zu entfernen und Risse zu erkennen. Das ist vor allem bei Backenzähnen mit mehreren, oft gekrümmten Kanälen von Bedeutung.
Im Unterschied zur Behandlung ohne Vergrößerung arbeitet der Behandler nicht nach Gefühl und Röntgenbild allein, sondern sieht direkt in den Kanal. Das Mikroskop ist nicht in jeder Praxis vorhanden; die Endodontie ist ein eigenes Spezialgebiet.
Die Behandlung erfolgt unter örtlicher Betäubung und gilt als schmerzarm. Danach kann der Zahn einige Tage empfindlich sein. Nach Abschluss braucht er meist eine Krone oder Teilkrone, weil er ohne Nerv spröder wird.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Diagnose
1 TerminUntersuchung, Röntgenbild und bei Bedarf eine dreidimensionale Aufnahme. Beurteilung, ob der Zahn erhaltungswürdig ist.
- 02
Eröffnen und Reinigen
1 bis 2 StundenUnter Betäubung und Kofferdam wird der Zahn eröffnet, die Kanäle werden aufgesucht, gereinigt und gespült.
- 03
Medikamentöse Einlage
1 bis 3 WochenBei starker Entzündung bleibt eine desinfizierende Einlage im Zahn, bis die Entzündung abklingt.
- 04
Wurzelfüllung
1 bis 2 StundenDie Kanäle werden dicht verschlossen und der Zahn provisorisch oder dauerhaft verschlossen.
- 05
Versorgung und Kontrolle
Nach einigen WochenMeist folgt eine Krone oder Teilkrone. Röntgenkontrollen nach etwa sechs bis zwölf Monaten zeigen die Heilung.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Entzündeter oder abgestorbener Zahnnerv
- Alte Wurzelbehandlung mit erneuter Entzündung
- Backenzähne mit mehreren oder gekrümmten Kanälen
- Wunsch, den eigenen Zahn zu erhalten
- Ausreichend gesunde Zahnsubstanz für eine spätere Krone
SPRICHT DAGEGEN
- Längs gebrochener Zahn
- Zu wenig Zahnsubstanz für eine stabile Versorgung
- Stark gelockerter Zahn durch fortgeschrittene Parodontitis
- Wurzel, die nicht mehr ausreichend im Knochen verankert ist
- Wenn der Zahn für die weitere Planung nicht benötigt wird
Was das Verfahren kostet
In Österreich werden für eine private Wurzelbehandlung je nach Zahn meist rund 250 bis 1.000 € genannt, unter dem Mikroskop beim Spezialisten rund 800 bis 2.500 €. Eine Wiederholungsbehandlung liegt häufig darüber.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Zahl und Form der Wurzelkanäle
- Erst- oder Wiederholungsbehandlung
- Zahl der Sitzungen
- Anschließende Krone oder Teilkrone
VERSICHERUNG
Die Grundbehandlung erhaltungswürdiger Zähne ist in Österreich und Deutschland bei Vertragszahnärzten grundsätzlich Kassenleistung. Die Behandlung unter dem Mikroskop und zusätzliche Verfahren sind meist privat zu zahlen. In der Schweiz tragen Patienten die Kosten meist selbst.
Welche Wege es sonst gibt
Häufige Fragen
Der Behandler sieht bei starker Vergrößerung direkt in die Kanäle. Das erleichtert, versteckte Kanäle zu finden, alte Füllungen zu entfernen und Risse zu erkennen.
Meist ein bis drei. Bei starker Entzündung wird zwischen den Terminen eine desinfizierende Einlage eingebracht.
Sie erfolgt in örtlicher Betäubung und gilt als schmerzarm. Danach kann der Zahn einige Tage empfindlich sein.
Die Angaben in der Literatur sind für Erstbehandlungen günstig, für Wiederholungen etwas niedriger. Im Einzelfall hängt das von Entzündung, Wurzelform, Zahnsubstanz und der späteren Versorgung ab.
Privat meist rund 250 bis 1.000 € je Zahn, unter dem Mikroskop beim Spezialisten rund 800 bis 2.500 €. Die Grundbehandlung zahlt die Kasse, das Mikroskop meist nicht.
Bei Längsbrüchen, zu wenig Zahnsubstanz oder wenn der Zahn wegen Knochenabbaus stark gelockert ist.
Ja. Bei einer Revision werden die alte Füllung entfernt, die Kanäle erneut gereinigt und neu verschlossen. Gerade hier ist das Mikroskop hilfreich.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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