Schlafapnoe
Bei der obstruktiven Schlafapnoe fallen die oberen Atemwege im Schlaf immer wieder zusammen, sodass die Atmung kurz aussetzt; behandelt wird sie mit Atemtherapiegerät, Schiene, Operation oder einem Zungenschrittmacher. Eine Behandlung kommt infrage, wenn im Schlaflabor oder bei einer Messung zu Hause wiederholte Atemaussetzer festgestellt wurden.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Schlafapnoe bedeutet
Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft im Schlaf die Muskulatur im Rachen. Zunge und Gaumen verlegen dann die Atemwege, die Atmung setzt aus, bis der Körper kurz aufwacht. Das passiert oft viele Male pro Stunde und führt zu unruhigem Schlaf und Tagesmüdigkeit.
Die übliche erste Behandlung ist ein Atemtherapiegerät, das über eine Maske leichten Überdruck erzeugt und die Atemwege offen hält. Wer damit nicht zurechtkommt, kann je nach Ausprägung eine Unterkieferschiene tragen, die den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorne hält. Daneben helfen oft Maßnahmen wie Gewichtsabnahme, Verzicht auf abendlichen Alkohol und das Vermeiden der Rückenlage.
Wenn Maske und Schiene nicht infrage kommen, gibt es operative Wege: das Beseitigen von Engstellen in Nase und Rachen oder bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe einen Zungenschrittmacher. Dieses Implantat reizt im Schlaf den Nerv der Zunge, sodass sie die Atemwege nicht verschließt. Welche Möglichkeit passt, zeigt meist eine Untersuchung der Atemwege im künstlichen Schlaf.
Eine Maske braucht Gewöhnung und wirkt nur, solange sie verwendet wird. Eine Schiene ist unauffälliger, kann aber anfangs Druck auf Zähne und Kiefergelenk verursachen. Nach einem Zungenschrittmacher wird das Gerät erst nach einigen Wochen Einheilung eingeschaltet und schrittweise eingestellt.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Erstgespräch und Messung
1 bis 2 TermineBefragung zu Schlaf und Tagesmüdigkeit, Untersuchung von Nase und Rachen. Häufig folgt zunächst eine Messung zu Hause.
- 02
Schlaflabor
1 bis 2 NächteGenaue Messung von Atmung, Sauerstoff und Schlaf. Bei einer Maskentherapie wird der Druck meist in einer weiteren Nacht eingestellt.
- 03
Therapiewahl
1 TerminBesprechung von Maske, Schiene und operativen Möglichkeiten. Vor einer Operation wird oft eine Untersuchung im künstlichen Schlaf gemacht.
- 04
Beginn der Behandlung
Einige Tage bis WochenAnpassung von Maske oder Schiene, bei einer Operation der Eingriff mit meist einer bis mehreren Nächten im Krankenhaus.
- 05
Einstellung
Einige Wochen bis MonateSchiene oder Gerät werden schrittweise angepasst. Ein Zungenschrittmacher wird nach etwa zwei bis acht Wochen Einheilung aktiviert.
- 06
Kontrollen
Meist jährlichÜberprüfung der Wirkung, oft mit erneuter Messung. Bei Bedarf wird die Behandlung angepasst.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Nachgewiesene wiederholte Atemaussetzer im Schlaf
- Ausgeprägte Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf
- Schwierigkeiten mit der Maskentherapie, wenn eine Alternative gesucht wird
- Engstellen in Nase oder Rachen, die sich operativ beheben lassen
- Bereitschaft zu regelmäßiger Anwendung und Kontrolle
SPRICHT DAGEGEN
- Lautes Schnarchen ohne Atemaussetzer, dafür gibt es eigene Behandlungen
- Für den Zungenschrittmacher: deutliches Übergewicht oder sehr leichte beziehungsweise sehr schwere Befunde außerhalb der Vorgaben
- Für eine Schiene: zu wenige oder stark gelockerte eigene Zähne
- Wunsch nach einer einmaligen Lösung ohne Nachsorge
- Andere Schlafstörungen als Hauptursache der Müdigkeit
Was das Verfahren kostet
Diagnostik und Maskentherapie werden bei gesicherter Diagnose in der Regel von der Kasse bezahlt. Eine individuell angefertigte Schiene kostet privat meist rund 600 bis 1.500 €. Ein Zungenschrittmacher kostet ein Vielfaches davon und wird fast nur über die Kasse oder Zusatzversicherung finanziert.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Art der Behandlung: Maske, Schiene, Operation oder Implantat
- Aufwand der Diagnostik und Zahl der Schlaflabornächte
- Material und Anpassung der Schiene
- Nachsorge und Kontrollmessungen
VERSICHERUNG
In Österreich und Deutschland übernimmt die Kasse Diagnostik und Maskentherapie nach Bewilligung. In Deutschland ist die Unterkieferschiene seit 2022 Kassenleistung, wenn die Maskentherapie nicht möglich ist oder nicht vertragen wird; in Österreich wird sie nur teilweise bezuschusst. Für den Zungenschrittmacher gehen die Angaben auseinander: In Deutschland und der Schweiz wird er bei erfüllten Voraussetzungen in spezialisierten Zentren meist übernommen. Klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Kasse und lassen Sie sich private Anteile schriftlich bestätigen.
Häufige Fragen
Häufig bemerkt zuerst die Person im selben Bett die Atemaussetzer. Hinzu kommen oft lautes Schnarchen, Tagesmüdigkeit und morgendliche Kopfschmerzen, Klarheit bringt aber nur eine Messung.
Oft beginnt die Abklärung mit einem kleinen Messgerät für zu Hause. Für eine genaue Einstellung der Therapie ist meist mindestens eine Nacht im Schlaflabor nötig.
Bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe und passenden Zähnen oft ja. Die Wirkung sollte danach mit einer Messung überprüft werden.
Ein Implantat, das im Schlaf den Nerv der Zunge reizt, damit sie nicht nach hinten fällt. Es kommt bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe infrage, wenn die Maske nicht funktioniert und weitere Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Angaben reichen von einer Nacht bis zu etwa fünf Tagen. Normal essen ist meist schon kurz nach dem Eingriff möglich.
Diagnostik und Maske übernimmt bei gesicherter Diagnose die Kasse. Bei Schiene und Implantat hängt es vom Land und von den Voraussetzungen ab.
Maske und Schiene wirken nur, solange sie verwendet werden. Auch ein Implantat braucht regelmäßige Kontrollen und nach vielen Jahren einen Batteriewechsel, wenn es vollständig implantiert ist.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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