Knorpeltherapie
Knorpeltherapie umfasst operative Verfahren, mit denen umschriebene Knorpelschäden, vor allem im Knie, repariert oder mit körpereigenem Gewebe aufgefüllt werden. Sie kommt infrage, wenn ein begrenzter Knorpeldefekt Beschwerden macht, das Gelenk insgesamt aber noch nicht fortgeschritten verschlissen ist.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Knorpeltherapie bedeutet
Gelenkknorpel heilt kaum von selbst. Knorpeltherapien sollen einen umschriebenen Schaden so auffüllen, dass die Gelenkfläche wieder glatt belastbar wird und fortschreitender Verschleiß möglichst verzögert wird.
Bei kleinen Defekten wird der Knochen unter dem Schaden angebohrt, damit Zellen aus dem Knochenmark ein Ersatzgewebe bilden, teils abgedeckt mit einer Membran. Bei größeren Defekten werden eigene Knorpelzellen entnommen, im Labor über rund drei bis sechs Wochen vermehrt und in einem zweiten Eingriff eingesetzt. Alternativ können kleine Knorpel-Knochen-Zylinder aus wenig belasteten Bereichen verpflanzt werden.
Im Unterschied zum Gelenkersatz bleibt das eigene Gelenk erhalten. Die Verfahren eignen sich aber nur für begrenzte Schäden, nicht für einen flächigen Verschleiß des ganzen Gelenks.
Als Patient brauchen Sie vor allem Geduld: Meist darf das Bein rund sechs Wochen nur teilweise belastet werden, das neue Gewebe reift über viele Monate. Stoßbelastende Sportarten sind oft erst nach etwa einem Jahr oder später wieder möglich.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Abklärung
1 bis 2 TermineUntersuchung und Bildgebung, meist MRT, um Größe und Lage des Schadens zu bestimmen. Auch Achsfehlstellungen und Bandstabilität werden beurteilt.
- 02
Gelenkspiegelung
Rund 1 StundeBei kleinen Defekten wird oft direkt behandelt. Für eine Zelltransplantation wird dabei eine kleine Knorpelprobe entnommen.
- 03
Zellzüchtung
Rund 3 bis 6 WochenNur bei der Zelltransplantation: Im Labor werden die eigenen Knorpelzellen vermehrt und auf ein Trägermaterial gebracht.
- 04
Einsetzen
1 bis 2 StundenDas Transplantat wird in den vorbereiteten Defekt eingebracht. Je nach Verfahren ambulant oder mit wenigen Tagen im Krankenhaus.
- 05
Teilbelastung
Meist rund 6 WochenGehen mit Stützen und nur geringer Belastung, dazu Bewegungsübungen. Oft wird eine Motorschiene eingesetzt.
- 06
Aufbautraining
Mehrere MonateSchrittweiser Muskelaufbau, zunächst mit Radfahren und Schwimmen. Laufsport und Ballsport folgen erst nach ärztlicher Freigabe.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Umschriebener Knorpelschaden, etwa nach einem Unfall oder bei einer lokalen Schädigung
- Gelenk ist abgesehen vom Defekt noch gut erhalten
- Anhaltende Beschwerden trotz Physiotherapie
- Wunsch, das eigene Gelenk möglichst lange zu erhalten
- Bereitschaft zu einer langen, konsequenten Nachbehandlung
SPRICHT DAGEGEN
- Flächiger, fortgeschrittener Verschleiß des gesamten Gelenks
- Unbehandelte Achsfehlstellung oder Bandinstabilität, die den Knorpel weiter belasten würden
- Keine Möglichkeit, das Bein über Wochen zu entlasten
- Wunsch nach rascher Rückkehr zu Sport mit Sprüngen und Richtungswechseln
- Beschwerden, die sich mit konservativer Behandlung gut beherrschen lassen
Was das Verfahren kostet
Die Angaben gehen je nach Verfahren weit auseinander. Für eine Knorpelzelltransplantation werden in Deutschland rund 15.000 bis 30.000 € genannt, allein die Zellzüchtung kostet nach Angaben aus Österreich rund 8.000 bis 13.000 €. Verfahren mit Anbohren des Knochens sind deutlich günstiger.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Verfahren: Knochenmarkstimulation, Knorpel-Knochen-Transfer oder Zelltransplantation
- Größe und Lage des Defekts
- Ein oder zwei Eingriffe
- Ambulante oder stationäre Behandlung und Nachsorge
VERSICHERUNG
In Deutschland und Österreich werden Knorpeltherapien einschließlich bestimmter Zelltransplantationen bei passender Indikation von den Kassen bezahlt, teils nach vorherigem Antrag. In der Schweiz ist für Zelltransplantationen häufig eine Kostengutsprache im Einzelfall nötig. Eine Zusatzversicherung kann Wahlarzt oder Privatklinik abdecken. Klären Sie die Übernahme vorab mit Ihrer Kasse und lassen Sie sich einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben.
Häufige Fragen
Es bildet sich ein Ersatzgewebe, das dem ursprünglichen Knorpel mehr oder weniger ähnelt. Bei der Zelltransplantation kommt es dem natürlichen Knorpel in der Regel näher als nach reinem Anbohren.
Meist rund sechs Wochen mit Gehstützen und nur geringer Belastung. Danach wird die Belastung schrittweise gesteigert.
Bei Büroarbeit oft nach einigen Wochen. Bei körperlich schwerer Arbeit werden je nach Verfahren rund drei bis sechs Monate genannt.
Radfahren und Schwimmen meist nach einigen Monaten. Laufen, Skifahren und Ballsport werden oft erst nach rund zwölf bis achtzehn Monaten empfohlen.
Im ersten Eingriff wird eine kleine Knorpelprobe entnommen, aus der im Labor über einige Wochen neue Zellen gezüchtet werden. Im zweiten Eingriff werden diese in den Defekt eingesetzt.
Bei flächigem Verschleiß des ganzen Gelenks eignen sich diese Verfahren in der Regel nicht. Sie sind für umschriebene Schäden in einem sonst gut erhaltenen Gelenk gedacht.
In Deutschland und Österreich meist ja, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. In der Schweiz wird bei Zelltransplantationen oft im Einzelfall entschieden.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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