Kinderwunschdiagnostik
Die Kinderwunschdiagnostik ist eine strukturierte Abklärung beider Menschen eines Paares, um mögliche Gründe für das Ausbleiben einer Schwangerschaft zu finden. Sie kommt infrage, wenn sich trotz regelmäßigen ungeschützten Verkehrs über längere Zeit keine Schwangerschaft einstellt oder wenn Sie Ihre Familienplanung auf eine klarere Grundlage stellen möchten.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Kinderwunschdiagnostik bedeutet
Die Kinderwunschdiagnostik fasst mehrere Untersuchungen zusammen, die bei der Frau und beim Mann gleichzeitig beginnen. Ziel ist, die wichtigsten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu prüfen: Eisprung und Hormonhaushalt, die Eizellreserve, die Durchgängigkeit der Eileiter, die Gebärmutter und die Qualität der Samenzellen.
Bei der Frau gehören Blutabnahmen zu bestimmten Zyklustagen, ein Ultraschall der Eierstöcke und der Gebärmutter und oft eine Prüfung der Eileiter mit Kontrastmittel im Ultraschall oder im Röntgen dazu. Beim Mann ist das Spermiogramm die zentrale Untersuchung; bei auffälligen Werten folgt häufig eine urologische oder andrologische Abklärung.
Häufig wird zunächst nur die Frau untersucht, obwohl die Ursache ungefähr gleich oft beim Mann liegt oder bei beiden. Eine gemeinsame, von Anfang an geplante Abklärung spart Zeit und vermeidet, dass einzelne Untersuchungen doppelt gemacht werden.
Für Sie bedeutet das vor allem einige kurze Termine, verteilt über etwa einen Zyklus. Die meisten Untersuchungen sind wenig belastend; die Prüfung der Eileiter kann ein kurzes, krampfartiges Ziehen verursachen. Am Ende steht ein Gespräch, in dem die Befunde gemeinsam eingeordnet und die nächsten Schritte besprochen werden.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Erstgespräch
1 TerminAusführliches Gespräch mit beiden, Durchsicht vorhandener Befunde und Planung, welche Untersuchungen noch fehlen.
- 02
Hormonwerte der Frau
Zyklustag 2 bis 5Blutabnahme zu Beginn des Zyklus, unter anderem zur Einschätzung der Eizellreserve, dazu ein Ultraschall der Eierstöcke.
- 03
Spermiogramm
Jederzeit, nach 2 bis 5 Tagen EnthaltsamkeitDie Probe wird im Labor auf Menge, Beweglichkeit und Form der Samenzellen untersucht. Bei auffälligen Werten wird sie oft nach einigen Wochen wiederholt.
- 04
Prüfung der Eileiter
Meist in der ersten Zyklushälfte, rund 15 bis 30 MinutenMit Kontrastmittel im Ultraschall oder im Röntgen wird untersucht, ob die Eileiter durchgängig sind und die Gebärmutterhöhle unauffällig ist.
- 05
Weitere Abklärung bei Bedarf
Einige Tage bis WochenJe nach Befund folgen etwa eine urologische Untersuchung, weitere Blutwerte oder eine Bauchspiegelung.
- 06
Befundgespräch
Nach rund einem ZyklusDie Ergebnisse werden gemeinsam besprochen und ein Plan erstellt, der von Abwarten bis zu einer Behandlung reichen kann.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Keine Schwangerschaft nach etwa einem Jahr regelmäßigen ungeschützten Verkehrs
- Kinderwunsch ab Mitte dreißig, wenn nach etwa sechs Monaten keine Schwangerschaft eingetreten ist
- Unregelmäßiger Zyklus oder bekannte Vorbefunde, die geklärt werden sollen
- Wunsch, vor einer Behandlung die Ausgangslage beider genau zu kennen
- Wunsch nach einer Einschätzung der eigenen Eizellreserve für die weitere Planung
SPRICHT DAGEGEN
- Kurze Zeit des Probierens ohne Hinweise auf Probleme — oft genügt zunächst Geduld
- Erwartung, dass ein einzelner Wert wie die Eizellreserve die Fruchtbarkeit vorhersagt
- Wunsch nach einer Abklärung nur eines der beiden Menschen, obwohl beide beteiligt sind
- Akute Beschwerden wie starke Unterbauchschmerzen, die zuerst ärztlich versorgt werden sollten
- Ergebnisse von Heimtests als Ersatz für eine ärztliche Einordnung
Was das Verfahren kostet
Als Selbstzahlerleistung liegen die Kosten in Deutschland für die Basisuntersuchungen der Frau meist bei rund 100 bis 250 €, für eine Eileiterprüfung bei rund 150 bis 400 € und für ein Spermiogramm bei rund 60 bis 160 €. In Österreich werden für ein Spermiogramm rund 50 bis 100 € genannt, in der Schweiz rund 100 bis 180 CHF.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Umfang der Hormon- und Blutuntersuchungen
- Methode der Eileiterprüfung: Ultraschall oder Röntgen
- Zusätzliche Tests beim Mann, etwa erweiterte Spermienuntersuchungen
- Kassenordination, Wahlarzt oder Privatklinik
VERSICHERUNG
In Österreich übernimmt die Krankenkasse die Abklärung in der Regel mit Überweisung und ärztlicher Begründung; bei Wahlärzten wird nur ein Teil rückerstattet. In Deutschland zahlt die gesetzliche Kasse die Diagnostik meist, wenn nach etwa zwölf Monaten keine Schwangerschaft eingetreten ist; ein Test der Eizellreserve ohne Anlass ist meist privat. In der Schweiz sind die Basisuntersuchungen einschließlich Spermiogramm bei ärztlicher Verordnung Leistung der Grundversicherung, Franchise und Selbstbehalt gelten. Klären Sie den Umfang vorab mit Ihrer Kasse und lassen Sie sich Privatleistungen schriftlich aufstellen.
Häufige Fragen
Üblich ist eine Abklärung, wenn nach etwa einem Jahr regelmäßigen ungeschützten Verkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist. Ab Mitte dreißig wird oft schon nach etwa sechs Monaten dazu geraten.
Ja, das ist sinnvoll. Die Ursache liegt ungefähr gleich oft beim Mann wie bei der Frau oder bei beiden, und das Spermiogramm ist eine einfache Untersuchung.
Die wichtigsten Ergebnisse liegen meist nach rund einem Zyklus vor, weil einige Untersuchungen an bestimmte Zyklustage gebunden sind. Sind weitere Schritte nötig, kann es einige Wochen länger dauern.
Viele beschreiben ein kurzes, krampfartiges Ziehen ähnlich wie bei der Regelblutung. Die Untersuchung dauert meist nur einige Minuten, ein Schmerzmittel vorab kann helfen.
Er zeigt, wie viele Eizellen ungefähr noch heranreifen können, aber nicht, wie gut sie sind. Für sich allein sagt er daher wenig darüber, ob eine natürliche Schwangerschaft eintritt.
Mit ärztlicher Begründung übernehmen die Kassen in Österreich, Deutschland und der Schweiz meist den Großteil. Als Privatleistung liegen die Kosten je nach Umfang bei rund 100 bis 600 €.
Je nach Ergebnis reicht die Empfehlung von weiterem Abwarten mit Zyklusbeobachtung über eine Hormonbehandlung oder Insemination bis zur künstlichen Befruchtung. Das wird im Befundgespräch gemeinsam entschieden.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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