Karpaltunnelsyndrom
Bei der Operation des Karpaltunnelsyndroms wird ein Band an der Handwurzel durchtrennt, damit der eingeengte Mittelnerv wieder Platz hat. Sie kommt infrage, wenn Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in den Fingern trotz Schiene und anderer Behandlung bestehen bleiben oder die Nervenmessung eine deutliche Schädigung zeigt.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Karpaltunnelsyndrom bedeutet
Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Innenseite des Handgelenks, durch den Sehnen und der Mittelnerv laufen. Wird es darin zu eng, drückt das auf den Nerv. Typisch sind nächtliches Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, später auch Kraftverlust.
Bei der Operation wird das Band, das den Kanal nach oben abschließt, durchtrennt. Dadurch weitet sich der Tunnel und der Nerv wird entlastet. Der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung oder mit Betäubung des Arms, Sie sind dabei wach.
Es gibt zwei Wege: offen über einen kurzen Schnitt in der Handfläche oder endoskopisch über kleinere Schnitte mit einer Kamera. Beide wirken ähnlich gut. Der endoskopische Weg erlaubt manchmal eine etwas schnellere Erholung, gilt aber als anspruchsvoller für die Operateurin oder den Operateur.
Das nächtliche Kribbeln lässt oft schon nach wenigen Tagen nach. Taubheit und Kraft erholen sich langsamer, bei lange bestehender Einengung teils über Monate oder nicht vollständig. Die Finger dürfen sofort bewegt werden, schwer heben sollten Sie einige Wochen nicht.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Untersuchung
1 bis 2 TermineUntersuchung der Hand und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Sie zeigt, wie stark der Nerv betroffen ist.
- 02
Konservativer Versuch
Einige WochenBei leichten Beschwerden zuerst eine Nachtschiene, eventuell eine Kortisonspritze. Reicht das nicht, wird eine Operation besprochen.
- 03
Operation
10 bis 30 MinutenAmbulanter Eingriff in örtlicher Betäubung oder Armbetäubung. Danach erhalten Sie einen Verband.
- 04
Erste Tage
Etwa 1 WocheHand hochlagern und Finger regelmäßig bewegen. Leichte Tätigkeiten sind bald wieder möglich.
- 05
Fäden ziehen
Nach 10 bis 14 TagenWundkontrolle und Entfernung der Fäden. Die Narbe ist anfangs oft noch druckempfindlich.
- 06
Belastungsaufbau
4 bis 6 WochenSchrittweise mehr Belastung, bis wieder kräftig gegriffen werden kann. Bei Bedarf unterstützt Handtherapie.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Nächtliches Kribbeln oder Taubheit, das trotz Schiene anhält
- Nervenmessung zeigt eine deutliche Einengung
- Zunehmende Ungeschicklichkeit oder Kraftverlust der Hand
- Beschwerden über viele Wochen oder Monate
- Wunsch nach einer dauerhaften Entlastung des Nervs
SPRICHT DAGEGEN
- Leichte Beschwerden, die mit Nachtschiene gut zurückgehen
- Vorübergehende Ursache, etwa in der Schwangerschaft
- Beschwerden, die eher von der Halswirbelsäule ausgehen
- Keine Möglichkeit, die Hand einige Wochen zu schonen
- Kribbeln ohne Bestätigung durch Untersuchung und Nervenmessung
Was das Verfahren kostet
Die Operation ist bei medizinischer Notwendigkeit Kassenleistung. Privat werden in Österreich meist rund 1.200 bis 3.400 € genannt, in Deutschland je nach Abrechnung und Verfahren teils deutlich weniger. Werden beide Hände in einer Sitzung operiert, steigen die Kosten entsprechend.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Offenes oder endoskopisches Verfahren
- Eine oder beide Hände
- Art der Betäubung und Operationssaal
- Nachsorge, Schiene und Handtherapie
VERSICHERUNG
In Österreich, Deutschland und der Schweiz übernimmt die Kasse die Operation, wenn sie medizinisch notwendig ist. Bei Wahlärztinnen und Wahlärzten in Österreich wird nur ein Teil des Kassentarifs erstattet, eine Sonderklassen- oder Zusatzversicherung kann den Rest übernehmen. Klären Sie die Kostenübernahme vorab und lassen Sie sich private Anteile als schriftlichen Kostenvoranschlag geben.
Welche Wege es sonst gibt
Häufige Fragen
Meist nur 10 bis 30 Minuten. Sie gehen am selben Tag wieder nach Hause.
Meist ja, betäubt wird nur die Hand oder der Arm. Eine Vollnarkose ist selten nötig.
Bei Büroarbeit oft nach ein bis drei Wochen, bei körperlicher Arbeit meist nach vier bis sechs Wochen. Das hängt von der Tätigkeit und der Heilung ab.
Das nächtliche Kribbeln bessert sich oft rasch. Taubheit und Kraft brauchen länger und erholen sich bei lange bestehender Einengung nicht immer vollständig.
Beide Verfahren wirken ähnlich gut. Endoskopisch kann die Erholung etwas schneller sein, wichtig ist vor allem die Erfahrung der operierenden Person.
Das ist möglich, schränkt aber im Alltag in den ersten Tagen stark ein. Viele operieren die Hände daher im Abstand von einigen Wochen.
Häufig wird zuerst eine Schiene für die Nacht empfohlen, manchmal eine Kortisonspritze. Bei deutlicher Nervenschädigung ist eine frühe Operation meist sinnvoller.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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