Hörimplantate
Hörimplantate sind operativ eingesetzte Hörsysteme, die Schall über das Innenohr, das Mittelohr oder den Schädelknochen weiterleiten, wo ein herkömmliches Hörgerät nicht mehr ausreicht. Sie kommen infrage, wenn Hörgeräte trotz guter Anpassung zu wenig Sprachverstehen bringen oder aus anatomischen Gründen nicht getragen werden können.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Hörimplantate bedeutet
Es gibt mehrere Arten von Hörimplantaten. Ein Innenohrimplantat, auch Cochlea-Implantat genannt, wandelt Schall in elektrische Impulse um und reizt den Hörnerv direkt. Mittelohrimplantate bringen die Gehörknöchelchen oder das Innenohr in Schwingung. Knochenverankerte Systeme leiten den Schall über den Schädelknochen zum Innenohr.
Alle Systeme bestehen aus einem inneren Teil, der operativ eingesetzt wird, und einem äußeren Audioprozessor, der hinter dem Ohr oder am Kopf getragen wird. Welches System passt, hängt von der Art des Hörverlusts ab: Innenohrschäden, Schallleitungsstörungen oder einseitige Taubheit brauchen jeweils andere Lösungen.
Ein Hörgerät verstärkt den Schall im Gehörgang. Wenn das Innenohr stark geschädigt ist, bringt reine Verstärkung aber kaum noch Sprachverstehen. Hier umgeht ein Implantat den geschädigten Teil des Ohrs.
Nach der Operation heilt die Wunde einige Wochen, bevor der Prozessor eingeschaltet wird. Beim Innenohrimplantat klingt vieles anfangs ungewohnt und mechanisch. Das Gehirn lernt über Monate, die neuen Signale zu deuten, unterstützt durch Hörtraining und mehrere Anpassungstermine.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Voruntersuchungen
Mehrere TermineHörtests mit und ohne Hörgerät, Bildgebung und Beratung. Geklärt wird, welches System infrage kommt.
- 02
Operation
1 bis 3 StundenEinsetzen des Implantats meist in Vollnarkose über einen Schnitt hinter dem Ohr.
- 03
Aufenthalt und Heilung
Ambulant bis einige NächteKnochenverankerte Systeme werden oft ambulant eingesetzt, nach einem Innenohrimplantat bleiben Sie meist einige Tage. Danach heilt die Wunde einige Wochen.
- 04
Erstanpassung
Nach etwa 3 bis 6 WochenDer Audioprozessor wird aufgesetzt und erstmals eingestellt. Die Lautstärke wird schrittweise erhöht.
- 05
Hörtraining
Einige MonateRegelmäßige Einstellungen und Training, beim Innenohrimplantat oft im Rahmen einer Reha. So verbessert sich das Sprachverstehen schrittweise.
- 06
Nachsorge
Dauerhaft, meist jährlichKontrollen von Implantat und Prozessor. Der äußere Prozessor wird nach einigen Jahren erneuert.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Hörgeräte bringen trotz guter Anpassung zu wenig Sprachverstehen
- Starker bis an Taubheit grenzender Hörverlust im Innenohr
- Hörgeräte können wegen Gehörgangsproblemen nicht getragen werden
- Einseitige Taubheit oder bestimmte Schallleitungsstörungen
- Bereitschaft zu Hörtraining und regelmäßiger Nachsorge
SPRICHT DAGEGEN
- Hörgeräte bringen noch ausreichend Nutzen
- Keine Möglichkeit, die Termine für Anpassung und Training wahrzunehmen
- Erwartung, sofort wie früher zu hören
- Wunsch nach einer Lösung ohne Operation
- Allgemeine Gesundheit lässt eine Narkose derzeit nicht zu
Was das Verfahren kostet
Ein Innenohrimplantat kostet einschließlich Operation und erster Reha in Deutschland meist rund 30.000 bis 45.000 €, in der Schweiz rund 50.000 bis 60.000 CHF je Ohr. Für Mittelohrimplantate werden rund 10.000 bis 30.000 € genannt, für knochenverankerte Systeme rund 3.000 bis 5.000 €.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Art des Implantats
- Ein- oder beidseitige Versorgung
- Reha, Hörtraining und Zahl der Anpassungen
- Zubehör, Batterien und späterer Prozessortausch
VERSICHERUNG
In Österreich und Deutschland übernimmt die Kasse bei erfüllten Voraussetzungen die gesamte Versorgung mit Voruntersuchung, Operation, Implantat, Anpassung und Reha. In der Schweiz wird die Operation über die Grundversicherung abgerechnet, am Prozessor und am Hörtraining beteiligen sich je nach Lebenssituation die Invalidenversicherung oder die AHV, teils mit Eigenanteil. Klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Kasse und lassen Sie sich mögliche Eigenanteile schriftlich bestätigen.
Häufige Fragen
Wenn trotz gut angepasster Hörgeräte Gespräche kaum noch verstanden werden. Das zeigen spezielle Hörtests mit Sprache.
Innenohrimplantate, Mittelohrimplantate und knochenverankerte Systeme. Welches passt, hängt von der Art des Hörverlusts ab.
Der Prozessor wird meist nach etwa drei bis sechs Wochen eingeschaltet. Beim Innenohrimplantat braucht das Sprachverstehen danach Monate an Training.
Nach einem Innenohrimplantat meist einige Tage. Knochenverankerte Systeme werden oft ambulant eingesetzt.
Der innere Teil liegt unter der Haut. Sichtbar ist der Audioprozessor hinter dem Ohr oder am Kopf, ähnlich einem Hörgerät.
In Österreich und Deutschland bei erfüllten Voraussetzungen vollständig. In der Schweiz hängt die Aufteilung der Kosten unter anderem vom Alter und von früheren Leistungen ab.
Der innere Teil bleibt in der Regel viele Jahre. Der äußere Prozessor wird nach einigen Jahren erneuert.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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