Eizellvorsorge
Bei der Eizellvorsorge werden nach einer Hormonbehandlung unbefruchtete Eizellen entnommen und tiefgefroren, um sie später für eine künstliche Befruchtung nutzen zu können. Sie kommt infrage, wenn eine Behandlung die Fruchtbarkeit gefährden könnte oder, soweit das Recht es erlaubt, wenn der Kinderwunsch bewusst aufgeschoben wird.
Richtwerte. Im Einzelfall können sie deutlich abweichen.
Was Eizellvorsorge bedeutet
Bei der Eizellvorsorge, oft Kryokonservierung oder Social Freezing genannt, werden reife Eizellen durch sehr schnelles Einfrieren bei rund minus 196 Grad aufbewahrt. Die Qualität der Eizellen bleibt dabei auf dem Stand des Zeitpunkts, an dem sie entnommen wurden.
Der Ablauf entspricht der ersten Hälfte einer künstlichen Befruchtung: Hormone regen die Eierstöcke an, mehrere Eizellen reifen, und diese werden in kurzer Narkose abgesaugt. Statt sie zu befruchten, werden sie eingefroren. Später können sie aufgetaut, im Labor befruchtet und als Embryo übertragen werden.
Man unterscheidet die medizinische Vorsorge, etwa vor einer Chemotherapie oder Bestrahlung, und die Vorsorge ohne medizinischen Grund. Die Rechtslage ist in den drei Ländern verschieden: In Deutschland und der Schweiz sind beide Formen erlaubt. In Österreich ist das Einfrieren derzeit nur mit medizinischem Grund zulässig; der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot aufgehoben, die Aufhebung wird mit 1. April 2027 wirksam, und die neuen Regeln muss der Gesetzgeber noch festlegen.
Wichtig ist eine realistische Erwartung: Eingefrorene Eizellen erhöhen die Chance auf ein späteres Kind, sind aber keine Gewähr dafür. Wie viel sie bringen, hängt stark vom Lebensalter bei der Entnahme und von der Zahl der gewonnenen Eizellen ab. Oft ist mehr als ein Zyklus nötig.
Wie der Ablauf aussieht
- 01
Beratung und Untersuchung
1 bis 2 TermineGespräch über Ziele und Rechtslage, Ultraschall und Blutwerte zur Einschätzung der Eizellreserve.
- 02
Hormonstimulation
Rund 10 bis 14 TageTägliche Spritzen zu Hause und Kontrollen per Ultraschall und Blutabnahme alle paar Tage.
- 03
Eizellentnahme
Rund 15 bis 30 MinutenDie Eizellen werden in kurzer Narkose über die Scheide abgesaugt. Danach ruhen Sie einige Stunden, eine Begleitperson für den Heimweg ist sinnvoll.
- 04
Einfrieren
Am Tag der EntnahmeReife Eizellen werden im Labor durch Schnellgefrieren konserviert. Sie erfahren, wie viele Eizellen eingefroren werden konnten.
- 05
Lagerung
Über Jahre, jährlich verlängertDie Eizellen werden in flüssigem Stickstoff gelagert. In der Schweiz ist die Lagerdauer gesetzlich begrenzt, in den anderen Ländern gelten eigene Regeln.
- 06
Späterer Einsatz
Wenn der Kinderwunsch aktuell wirdAuftauen, Befruchtung im Labor und Übertragung eines Embryos wie bei einer künstlichen Befruchtung.
Für wen das Verfahren infrage kommt
SPRICHT DAFÜR
- Geplante Behandlung, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann, etwa eine Chemotherapie
- Bewusste Entscheidung, den Kinderwunsch aufzuschieben, wo das rechtlich erlaubt ist
- Wunsch, die Familienplanung zeitlich offener zu halten
- Bereitschaft, die Kosten für Entnahme und jahrelange Lagerung selbst zu tragen
- Realistische Erwartung an die Chancen
SPRICHT DAGEGEN
- Erwartung, damit ein späteres Kind fest einplanen zu können
- Bereits deutlich verringerte Eizellreserve, bei der nur wenige Eizellen zu erwarten sind
- Bereits aktueller Kinderwunsch — dann ist oft eine direkte Behandlung naheliegender
- Wohnsitz und Behandlung in Österreich ohne medizinischen Grund vor Inkrafttreten der neuen Regelung
- Belastung durch Hormonbehandlung und Kosten, die nicht getragen werden möchte
Was das Verfahren kostet
Für einen Zyklus mit Stimulation, Entnahme und Einfrieren werden in Deutschland meist rund 3.000 bis 5.000 € genannt, in Österreich rund 3.000 bis 6.000 €, in der Schweiz rund 4.500 bis 5.500 CHF. Hinzu kommen jährliche Lagerkosten von rund 200 bis 500 € oder CHF und später die Kosten für Auftauen, Befruchtung und Transfer.
WOVON DER PREIS ABHÄNGT
- Menge der benötigten Hormonmedikamente
- Zahl der Zyklen, bis genug Eizellen eingefroren sind
- Dauer der Lagerung
- Kosten für die spätere Befruchtung und Übertragung
VERSICHERUNG
Ohne medizinischen Grund ist die Eizellvorsorge in Österreich, Deutschland und der Schweiz eine Privatleistung. Mit medizinischem Grund, etwa vor einer Krebstherapie, übernehmen die gesetzlichen Kassen in Deutschland die Kosten unter bestimmten Bedingungen; in der Schweiz ist bei medizinischer Indikation eine Übernahme durch die Grundversicherung möglich, eine Kostengutsprache vorab ist ratsam. In Österreich ist das Einfrieren derzeit nur aus medizinischem Grund erlaubt, die Kostenfrage klären Sie direkt mit Ihrer Kasse. Lassen Sie sich vor Beginn einen schriftlichen Kostenvoranschlag inklusive Lagerkosten geben.
Häufige Fragen
In Deutschland und der Schweiz ja, auch ohne medizinischen Grund. In Österreich derzeit nur mit medizinischem Grund; die Aufhebung des Verbots wird mit 1. April 2027 wirksam, die Details regelt der Gesetzgeber noch.
Das hängt stark vom Alter bei der Entnahme ab. Häufig werden zehn bis fünfzehn Eizellen als Richtgröße genannt, wofür manchmal mehr als ein Zyklus nötig ist.
Die Qualität der Eizellen nimmt vor allem ab Mitte dreißig ab. Eine frühere Entnahme bringt in der Regel mehr und bessere Eizellen, die Entscheidung ist aber individuell.
Technisch über viele Jahre. In der Schweiz ist die Lagerdauer gesetzlich auf zehn Jahre begrenzt, in Österreich und Deutschland gelten eigene Regeln, die Sie mit dem Zentrum klären sollten.
Nein. Eingefrorene Eizellen verbessern die Chancen, nicht jede Eizelle übersteht das Auftauen und führt zu einer Schwangerschaft.
Meist rund 3.000 bis 6.000 € je Zyklus, in der Schweiz rund 4.500 bis 5.500 CHF. Dazu kommen jährliche Lagerkosten und später die Kosten der Befruchtung.
Die Hormonspritzen über rund zwei Wochen werden meist gut vertragen, können aber Spannungsgefühl und Stimmungsschwankungen auslösen. Nach der Entnahme sind die meisten nach ein bis zwei Tagen wieder einsatzfähig.
Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob ein Verfahren für Sie infrage kommt, klärt eine persönliche Untersuchung.
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